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KRAUSE UNTERWEGS IN BRASILIEN

Eventuell liegt es an seiner DDR-Vergangenheit, vielleicht ist es aber auch nur sein ganz spezieller Charakter. Genau weiß Tattoo-Artist Krause selbst nicht, warum ihn mehrmals im Jahr das Fernweh packt. Inzwischen war der CLASSIC TATTOO-Chef schon auf allen Kontinenten unterwegs. Für Euch schreibt Krause exklusiv, was er auf seinen Trips erlebt und was Ihr Euch auf keinem Fall entgehen lassen dürft.

Zwar versuche ich, auf meinen Touren immer wieder neue Länder zu erkunden, aber an den Zuckerhut verschlägt es mich seit mindestens einer gefühlten Urzeit trotzdem jedes Jahr erneut. Das liegt zum einen an der unglaublichen Landschaft und den wirklich coolen Leuten vor Ort und zum anderen daran, dass mein Kollege Alex jedes Mal sofort „ich, ich, ich“ ruft, wenn Onkel Krause ganz leise den Namen „Brasilien“ in den Raum wirft. Und mit Alex verreise ich für mein Leben gerne!

Das Beste an Brasilien ist tatsächlich das Wetter. Und meine Theorie besagt: Weil das fast immer super ist, wächst und gedeiht die Landschaft prächtig und die Leute haben die beste Laune überhaupt. Egal, wohin es uns in Brasilien verschlägt, zuerst fliegen wir grundsätzlich vom portugiesischen Lissabon nach Natal. Diese Reiseroute hat den Vorteil, dass der Flug nicht allzu lange dauert und außerdem liegt Natal nur 80km entfernt von Pipa. Das, was sich erstmal nur unanständig liest, ist ein wunderschöner kleiner Badeort am Atlantik. Dort besitzt die aus Deutschland stammende Barbara eine kleine Pousada. Dabei handelt es sich um ein paar wirklich schöne Bungalows, die einen Swimmingpool umgeben. Barbara selbst ist gar nicht mit Gold aufzuwiegen. Sie hat ein riesiges Herz und mir schon aus so mancher brenzliger Situation geholfen. Doch dazu später mehr.

Rund um Pipa gibt es jede Menge Möglichkeiten, sich den heißen Tag zu vertreiben. Ich als Motorjunkie empfehle natürlich die obligatorische Strandbuggytour, mit Fahrer. So eine Tour kostet nicht die Welt und die Jungs kennen wirklich jeden Pfad an der Steilküste. Drei Leute können mit einem solchen Buggy durch die Dünen heizen. Leider muss ich bei solchen Touren meist hinten sitzen, denn Alex sitzt grundsätzlich neben dem Fahrer. Zum einen kann er dort nicht so leicht aus dem Wagen fallen, zum anderen braucht der Kollege eigentlich Fernsehen rund um die Uhr und wenn er vorne sitzt, kann er wenigstens durch eine Scheibe gucken. Nicht mal zehn Prozent der Umgebung von Pipa steht unter Naturschutz, trotzdem gibt es dort die sauberste Luft überhaupt.

Badeurlaub ist ja gut und schön, ein Krause braucht aber auch echtes Abenteuer. Außerdem muss ich dafür sorgen, dass Alex sich auch an seinen freien Tagen wenigstens etwas bewegt. Unser Kumpel Sergio, der auch schon hier in Berlin für einige Monate die Nadel geschwungen hat und kürzlich das erste „Classic Tattoo“ Studio Brasiliens eröffnete, vermittelte uns einen Ausflug in den brasilianischen Urwald.



Wir fuhren direkt von Pipa nach Manaus. Die Stadt liegt am Rio Negro, einem riesigen Fluss, der dann nach gut zehn Kilometern in den Amazonas mündet. Die Stadt selbst ist relativ hässlich, denn dort wurde lange Zeit ausschließlich Kautschuk produziert. Heute ist die City vor allem für das dort ansässige Theater bekannt, aber weil ich es nicht so mit gesprochener Hochkultur habe, nahm ich von einem Theaterbesuch Abstand.

Rund um Manaus befindet sich nichts - außer Urwald, davon jedoch jede Menge. Wegen seines regionalen Artenreichtums beginnen gerade hier jede Menge Urwaldtouren. Wir starteten mit einem wirklich coolen Boot Richtung Niemandsland. Da ich eine echte Wasserratte bin, nutzte ich das langsame Vorwärtskommen des Kahns immer wieder, um im Fluss zu baden. Alex, der ausgesprochenen Respekt vor kleinen Fischen hat, die sich angeblich durch die Harnröhre schwimmend in der Blase einnisten, blieb jedoch lieber schwitzend auf dem Dampfer. Auch wenn es diese Tiere tatsächlich gibt: Bisher habe ich selbst noch keine Bekanntschaft mit Schwanzfixierten Fischen gemacht und kann das Schwimmen im Fluss nur empfehlen. Nach 24 Stunden hatte ich genug, denn eigentlich wollte ich mich im Urwald von einem Ureinwohner tätowieren lassen. Das mache ich nämlich immer, wenn ich in fremden Ländern unterwegs bin.

Um mir zu meinem Bild zu verhelfen, kontaktierten Sergios Kumpels, die mit uns auf dem Boot waren, telefonisch einen Indio und gerade in Manaus zurück bestiegen wir sofort einen Jeep, der uns gleich wieder in den Urwald, genauer gesagt in ein Reservat, brachte. Obwohl wir fern ab jeder Zivilisation waren, fühlte ich mich absolut sicher. Auf dem Gelände wo wir schliefen leben nämlich vier Pitbulls, die einen sogar begleiten, wenn man ein stilles Örtchen sucht.

Dann kam der große Augenblick und Häuptling „Nadel und Farbe“ trat aus dem Dickicht. Der Typ sah genauso aus, wie man sich einen Ureinwohner vorstellt: Sportschuhe, T-Shirt und immer schön das Handy am Ohr. In einem Körbchen trug Winnetou seine Utensilien und spätestens als er sein Equipment vorbereitete merkte ich, dass es sich wirklich um einen Indio handelte. Nachdem mein Kumpel Sergio ihm etwas über mich erzählt hatte, entschied Winnetou sich dafür, mir ein etwa 4x5cm großes positives „Energiezeichen“ am Unterschenkel zu stechen. Betäubungsmittel beim Tätowieren sind im Urwald natürlich ausgeschlossen, genauso wie der Einsatz einer Tätowiermaschine. So haute mir der Typ eine Stunde lang immer wieder eine Pfeilspitze ins Bein, was über weite Strecken jedoch weniger schmerzhaft war, als der Einsatz einer Maschine. Dafür dauert es aber auch zehnmal so lange. Da die Tätowierungsprozedur auf einem großen Stein, mitten im Wasser, abgehalten wurde, musste ich anschliessend mit offener Wunde durch den Fluss waten. Weder Piranhas noch Bakterien zeigten merklich Interesse und noch heute strahlt das gute Hautstück in vollem Glanze.

Zum Schluss noch eine weniger schöne Geschichte, die in Brasilien genauso passieren kann, von einem Urlaub jedoch keineswegs abhalten sollte. Ich schreibe sie nur auf, um zu zeigen, dass nicht alle Brasilianer gleich nett sind. Vor ein paar Jahren musste ich mal zwei Nächte in einem brasilianischen Militärgefängnis verbringen und das war wirklich kein Spaß!

Beste Reisezeit:
August bis April

Übernachtungsempfehlung für Pipa:
Pousada da Barbara
http://www.pousadadabarbara.com.br

Tipp: Ihr könnt Barbara direkt anrufen, sie spricht perfekt Deutsch oder Euch in fast jedem Reisebüro nach der Pousada erkundigen.

Tätowieren in Brasilien:
Classic Tattoo Brasil
http://www.classictattoo.com.br

Auf jeden Fall:
Vor der Reise eine private Reise-Krankenversicherung abschließen. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Kosten für Arztbesuche in Brasilien nicht.

Auf keinen Fall:

Kiffe kaufen! Nicht selten ist das Zeug bereits in einem Joint vorgedreht und mit gefährlichem Crack versetzt.


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